Irland wäre nicht Irland ohne seine Pubs.
Das 1300-Einwohner-Städtchen Dingle hat davon 52- und einer
schöner als der andere. Schon die Fassaden allein sind sehenswert-
sie sind so bunt wie fast alle Häuserfassaden in Dingle.





Dabei hat fast
jeder Pub seine Eigenheiten: So hat Dick Mack an das Hoftor neben
seinem Pub eine genaue Lagebeschreibung seines Pubs gepinselt, damit
man auch ja nicht den Weg verfehlt- die Kirche findet man auf jeden
Fall, auch bei hochgradiger
Trunkenheit großer Müdigkeit.
Und damit die
ihren Gatten suchenden Ehefrauen nicht von außen in den Pub
hineinsehen können, hat Dick Mack die Gaststube sorgfältig
mit einer langen Reihe Gummistiefel gegen neugierige Blicke
abgeschirmt. Eine Eigenheit übrigens, die man an fast jedem Pub
sieht: Reingucken kann man bei fast keinem. Dafür hat Dick Mack
vor seinem Pub einen "Walk of Fame" gestaltet, auf dem berühmte
Zecher mit einem Stern auf dem Gehweg verewigt werden.
Bei Foxy John
gibt es auch Gummistiefel; ferner Messingwasserhähne, Grabegabeln
und Kompost-Rottebeschleuniger. In seinem Gastraum kann man
nämlich am Tresen Eisenwaren kaufen, Fahrräder ausleihen und
Guinness trinken. Eine für Deutsche bizarre Kombination, die aber
in Irland offenbar gar nicht so selten ist. Es ist schon eine
merkwürdige Erfahrung, unter an der Decke baumelnden 26-er
Mountain-Bike-Felgen sitzend und den Arm auf einen Sack Hundepellets
stützend sein Stout zu trinken.
Man muß kein Gewohnheits-Kneipengänger sein, um es in einem Pub urgemütlich zu finden. Wenn man einige Grundregeln beachtet, kommt man gut klar: Man setze sich hin, wo Platz ist, allerdings nicht gerade in die Flugbahn zwischen der Grundlinie und der Dartscheibe. Viele Leute stehen aber gleich am Tresen. Sein Bier holt man sich am Tresen; bedient wird nicht. Der Wirt zapft das Guinness und stellt es dann zunächst auf einen Untersetzer auf den Tresen- nicht anrühren! Als ich es einmal gleich nahm, starrten mich alle entsetzt an und der Wirt rief erschrocken "No!" Ich hatte mich als Nicht-Ire geoutet. Da eine üppige Blume auf dem Bier in Irland offenbar verpönt ist, muß sich der Schaum erst setzen und dann wird eine ganz flache, feinsahnige Schaumkrone bis zum oberen Glasrand kunstvoll aufgesetzt, so daß man das Glas kaum zum Tisch bekommt, ohne zu plempern. Bezahlt wird sofort am Tresen; Trinkgeld gibt man nicht. Bestellt wird ein Pint, gesprochen "Peint", das sind ca. 0,58 Liter. Die ersten beiden Tage sagte ich in McCarthys Pub auch "Peint", bis eine mir nahestehende Verwandte, welche kurz vorher einen Intensiv-Englisch-Sprachkurs in Britannien absolviert hatte, mir bedeutete, man spreche es "Pint" aus (so, wie man es schreibt). Als ich die nächsten Tage dann folgsam ein "Pint" bestellte, guckte mich der Wirt verständnislos an und die Iren am Tresen konnten nur mühsam ein Lachen unterdrücken. Ich wußte nicht, was sie hatten. Erst am vorletzten Tag schaute ich ins Wörterbuch und entdeckte zu meinem Entsetzen, daß man es doch "Peint" ausspricht- jetzt wußte ich, warum ich mich unsterblich blamiert hatte.
Man wird im Pub von wildfremden Leuten angesprochen und muß dann folgsam aus seiner Heimat berichten. Besonders gemütlich wird es, wenn plötzlich die Tür aufgeht und ein paar Leute mit Instrumenten hereinkommen. Wenn sie auf den eigenen Tisch zukommen und einen still und ernst ansehen, sollte man tunlichst aufstehen; man sitzt dann auf ihrem Stammplatz. Dann werden Gitarre, Banjo, Fiedel oder Akkordeon ausgepackt, ein Guinness bestellt und es erklingen den ganzen Abend lustige oder auch schwermütige irische Volks- und Trinklieder. Die Stimmung ist einfach umwerfend.


Natürlich trinkt man
Guinness nicht
nur, weil es schmeckt; für deutsche Zungen ist sein
Geschmack vielleicht sogar etwas ungewohnt, erinnert es doch etwas an
Muckefuck mit Alkohol. Nein, es ist natürlich vor allem die
nahrhafte
und stärkende Wirkung des Guinness, die wohl die Iren zu einer der
biertrinkfreudigsten Nationen der Welt macht- jedenfalls wenn man den
zahllosen Werbetafeln für das irische Nationalgetränk glauben
darf.





Das Vertrauen
der Iren in die wohltuende und belebende Wirkung dieses Getränks
ist offenbar so groß, daß Guinness sogar als Grabbeigabe
mitgegeben wird, damit es dem Verblichenen im Jenseits an nichts
mangle.
(Gesehen auf dem Friedhof an der Kilmalkedar Church.)
Ach- und das Wichtigste habe ich noch
vergessen: In allen Pubs in Irland herrscht- wie in sämtlichen
öffentlichen Einrichtungen- ein striktes Rauchverbot! Und alle
halten sich dran! Ich wußte erst gar nicht recht, was mir als
überzeugter Nichtraucher fehlt, bis ich es dann merkte: Kein
Qualmgestank, kein in den Augen beißender Rauch, man stinkt nicht
noch Tage nach dem Kneipenbesuch- wunderbar! Auch wenn dafür
selbst bei üblem Mistwetter die Bänke vor den Pubs voller
Raucher sitzen- danke, irisches Parlament, für dieses Gesetz!
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| Diese Seite im WWW: www.heikostreich.de/dingle/dinglepubs.htm Letzte Änderung: 18.11.2005 |
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