Tag 1: Der Brocken · Wieder unten

Rast...Am späten Nachmittag wandere ich auf dem gleichen Weg zurück. Die Hitze läßt allmählich nach, und der kühle Schatten des Waldes ist sehr angenehm. Mir begegnen nach wie vor nur wenige Menschen. Unterhalb des Eckernloches mache ich noch einmal Rast. In der Nähe schnauft schon wieder die Brockenbahn vorbei.

Was für ein Ausblick auf das Harzvorland!Während des Abstieges hat man immer wieder wunderbare Ausblicke auf das östliche Harzvorland, wo zwischen endlosen Wäldern nur hin und wieder ein kleiner Ort zu erkennen ist. Rechts von mir erblicke ich immer wieder den Wurmberg mit seiner markanten Sprungschanze.

Schierker Feuerstein...
Nach 2 Stunden gelange ich über den Bahnparallelweg und die Alte Bobbahn wieder zurück nach Schierke.  Als ich durch den Ort in Richtung Parkplatz stapfe, stehe ich unverhofft vor einer monströsen Flasche "Schierker Feuerstein". ... und sein ErfinderAls ich mich umsehe, entdecke ich an einer Apotheke ein Schild, das darauf hinweist, daß dort der Ursprung des berühmten Kräuterlikörs sei. Im Schaufenster stehen die roten Flaschen in allen Größen und Formen, dazu die geeigneten Trinkgefäße und alles mögliche Zubehör. Aus einem Fernseher wird in einer Endlosschleife immer wieder geduldig erklärt, wie des Harzers Leib- und Magengetränk hergestellt wird.

Am Auto angekommen, ziehe ich die mittlerweile dampfenden Wanderschuhe aus und verbanne sie in den hoffentlich luftdicht abschließenden Kofferraum. Da ich am nächsten Tag ein Stück des Bodetals erwandern will, mache ich mich auf den Weg nach Altenbrak. Dort irgendwo will ich mir ein Stück Wiese oder eine Lichtung suchen und mich im Schlafsack unter den Sternenhimmel schlafen legen. Nach Altenbrak zu kommen ist aber wieder einmal leichter gesagt als getan: Als ich über Elbingerode nach Rübeland komme, wo ich die Rabbodetalsperre überqueren will, erwartet mich schon wieder ein Umleitungsschild: Die Straße über die Rappbodetalsperre wird erneuert. Ich fahre trotzdem erst mal zur Talsperre, stelle das Auto auf den Parkplatz und steige hoch zum Aussichtspunkt. Von dort hat man einen schönen Blick über den Stausee, die Talsperre und das gegenüberliegende Pumpspeicherwerk. Nur über die Talsperre rüber kommt man leider nicht; alles steht voll Straßenbaumaschinen. Also zurück nach Rübeland und die ausgewiesene Umleitungsstrecke über Hüttenrode und Almsfeld genommen. Als ich in Almsfeld ankomme und über die B81 auf die Straße in Richtung Altenbrak und Bodetal huschen will, kriege ich fast einen Tobsuchtsanfall: Auch die Straße ins Bodetal ist natürlich gesperrt. Man kommt nur ein paar Hundert Meter weit und dann ist Schluß. Ich folge apathisch der Umleitung über Cattenstedt und Wienrode und komme irgendwo in einem düsteren Wald raus, wo eine Straße in Richtung Treseburg hinführen soll. Natürlich sind auch dort Straßenbauarbeiten im Gange, aber wenigstens brauche ich nur zwei- oder dreimal auf der abendlich leeren Straße im dunklen Wald minutenlang an roten Ampeln stehen. Irgendwann in der Dämmerung gelange ich schließlich nach Treseburg und denke mir, daß es reicht. Wer weiß, was für Überraschungen die örtlichen Straßenbauämter noch bereithalten....

Mein Vorhaben, mich unter freiem Himmel schlafen zu legen (ich habe kein Zelt bei), lasse ich dann allerdings fallen. Für die Nacht ist der erste Regen seit Wochen angesagt, und so beschließe ich, im Auto auf einem großen Parkplatz in der Ortsmitte zu nächtigen. Vorher streife ich noch ein wenig durch den Ort, sehe mir die Furt durch die Bode an, wo wir vor einigen Jahren mit dem Auto zu unserem Ferienquartier durchmußten und schaue einem Angler zu, der die Forellen mit künstlichen Fliegen betrügen will. Auf der Terrasse des Hotels "Zur Forelle" nehme ich noch ein Schlummer-Hasseröder und bedaure, nicht ein paar Minuten früher gekommen zu sein- dann hätte noch die Küche aufgehabt und ich hätte eine schöne Bode-Forelle verspeisen können.

Über die Nacht breite ich lieber den Mantel des Schweigens- wer einmal versucht hat, in einem Auto zu schlafen, kennt vielleicht das Gefühl, wenn man morgens nur noch ein wimmerndes Bündel verbogener Knochen, knarrender Gelenke und schmerzender Muskeln ist.
 

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Letzte Änderung: 24.11.2004
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