Zu Fuß
zum
Hexentanzplatz hochzuwandern schaffe ich nicht mehr,
also benutze ich die Schwebebahn. Ich donnere aus der Halle hinaus, um
dann anschließend lautlos über das Bodetal emporzugleiten.
Es ist ein toller Anblick von oben: Die dichtbewaldeten Berge, die
steilen Hänge des Roßtrappenfelsens und unten im Tal blinkt
nur ab und zu die Bode unter den Baumwipfeln hervor. Es geht über
nur 2 Träger aufwärts, bis ich auf dem Hexentanzplatz bin.
Hier ist es
schon deutlich voller. Ich gehe zunächst in Richtung Harzer
Bergtheater, das 2003 genau 100 Jahre alt wird. Davor endlose
Schlangen, die zu "Ali Baba und die 40 Räuber" wollen. Wir haben
als Kinder dort "Zwerg Nase" gesehen. Da ich das Theater kenne und mir
auch nicht nach einer anderthalbstündigen Vorstellung zumute ist,
gehe ich weiter.
Die Walpurgishalle kenne ich noch nicht. Sie sieht von
außen ziemlich germanisch und mystisch aus. Irgendwie erwartet
man dort drinnen Thor, Odin oder Donar zu treffen. Am Eingang liegt ein
gewaltiger Felsbrocken, auf dem ein H*kenkr*uz einmeißelt ist,
allerdings verkehrt herum und wohl noch aus grauer Vorzeit. Innen gibt
es eine Ausstellung zu 100 Jahren Bergtheater, mit Requisiten, alten
Fotos und großen Wandbildern. Noch besser gefällt mir
allerdings die Ausstellung zu Hexen, Teufeln und allerlei Aberglauben.
Wer im Mittelalter als Frau das Pech hatte, rote Haare zu haben,
über Kräuter oder Krankheiten bescheid zu wissen oder einfach
dem Nachbar nicht paßte, hatte nichts zu lachen. Gestand die
Unglückliche im Folterkeller, eine Hexe zu sein, kam sie auf den
Scheiterhaufen. Gestand sie nicht, wurde sie als Lügnerin
ebenfalls dahingemetzelt. Die Inquisition verstand ihr grausames
Handwerk.... Jedenfalls herrscht in der Walpurgishalle eine ziemlich
düstere Atmosphäre, und ich bin froh wieder draußen zu
sein.
Ich gehe hoch zum Hexentanzplatz und schaue mir aus der Nähe
an, von wo die Hexen zum Brocken gestartet sind. In 2 Tagen habe ich
somit Start- und Landeplatz der Hexen gesehen, und wenn mich nicht
alles täuscht, riecht die Luft noch etwas nach Pech, Schwefel und
Krötendreck. Kann allerdings auch sein, daß der Geruch vom
nahegelegenen Großparkplatz und vom Tierpark kommt.
Am Rande des Hexentanzplatzes
fällt der Berg senkrecht ins Bodetal
ab und man kann auf der anderen Seite den Roßtrappenfelsen
erkennen. Es ist eine ganz schöne Entfernung, wenn man da mit dem
Pferd rüberspringen will. Zwar waren Brunhilde und der sie
verfolgende Unhold Bodo Riesen und demzufolge auch deren Pferde wohl
etwas größer gewachsen- trotzdem braucht ein Roß wohl
ziemliche Sprungkraft, um wohlbehalten rüber zu kommen. Bodos
Pferd hat es ja bekanntlich nicht geschafft, so daß er in die
Bode gestürzt ist und dort Brunhildes heruntergefallene Krone als
großer schwarzer Hund bewachen muß.
Jetzt fehlt mir
nur noch
der Tierpark.
Ich schlendere die paar Schritte hoch
und versuche zu erraten, welche Spuren auf der Erde abgebildet sind.
Ich glaube, ich laufe genau verkehrt herum, denn erst kommt immer die
Auflösung und dann die zu ratende Spur: Waschbär, Fuchs,
Wildschwein, Braunbär und ihre Artgenossen. Der Tierpark
schließlich gefällt mir immer wieder: Schön ruhig,
nicht zu groß, mitten im Wald gelegen und viele Vertreter der
einheimischen Tierwelt, die man in der freien Natur kaum zu Augen
bekommt.
Schließlich
bekomme ich endlich auch noch ein Exemplar
der schon ausgestorben geglaubten Gattung der Hexen zu sehen, die hier
ihren verdienten Ruhestand genießt. Jetzt habe ich alles gesehen:
Den Startplatz der Hexen, den Hexentanzplatz, ihren Treffpunkt in der
Walpurgisnacht am Hexenaltar auf dem Brocken und schließlich noch
ein leibhaftiges Exemplar. Ein würdiger Abschluß für
meine kleine Harzexpedition.
Ich mache mich auf den
Rückweg, schaue aus der Seilbahn noch
einmal auf das Bodetal und nehme Abschied vom Harz. Bestimmt komme ich
bald mal wieder- wenn es dann auch etwas anders sein wird als bisher,
als ich IHN noch nicht erklommen hatte. Um es noch einmal mit Tamara
Danz zu sagen:
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