Als Bildungsbürger können wir uns natürlich nicht nur
schnödem Kommerz hingeben. Also lenken wir unsere Schritte zum
Trinity College,
Irlands berühmtester Hochschule, die 1592 von
Elizabeth I. für protestantische Studenten gegründet wurde.
Durch die großzügigen Grünanlagen im Innenhof kommen
wir zur Library, in der einer der größten Schätze
Irlands aufbewahrt wird: das "Book
of Kells" - nach Meinung vieler das
schönste Buch der Welt.


Durch eine
Ausstellung über die Entstehung des Buches gelangen wir in einen
abgedunkelten Raum, in dem sich die Besucher um das Heiligtum
drängen. Wir bestaunen ehrfürchtig die wunderschönen
Lettern und Bilder in den ausliegenden vier Büchern aus dem
Mittelalter. Anschließend bewundern wir den "Long Room" der
Bibliothek, in dem auf zwei Etagen übereinander die wertvollsten
Bände der Library aufbewahrt werden. Es riecht wunderbar muffig
nach altem Papier und im Gang stehen Büsten antiker Dichter und
Denker und der Großen der irischen Dichtkunst. (Warum Sie hier
kaum Bilder sehen? In der Library darf man nicht fotografieren. Aus
Respekt vor der Kunst pflege ich mich an solche Verbote zu halten. Wenn
Sie mehr über die Library lesen und sehen wollen, finden
Sie das
hier. Das gemeinfreie Foto einer Seite des "Book of Kells" stammt
aus
der Wikimedia Commons, wo Sie noch mehr Seiten bewundern
können.
Ich danke der Gemeinschaft der Wikimedianer dafür.)
Vorbei am
Denkmal für Molly Malone - ja, es ist die Molly Malone aus dem
Lied, und man streitet sich, ob sie eine Fischverkäuferin oder ein
Freudenmädchen war - gehen wir in die Grafton Street, Dublins
Einkaufs- und Flaniermeile. Es ist so voll (auf den Fotos ist das gar
nicht erkennbar), dass der Berliner Ku'damm oder der Hamburger
Jungfernstieg an einem verkaufsoffenen Sonntag vor Weihnachten dagegen
wie
einsame Dorfstraßen wirken.

Überall stehen
Straßenkünstler: teilweise seltsame Freaks,
Denkmal-Imitatoren des großen Schriftstellers James
Joyce (links
die Kopie, rechts das Original), aber auch hervorragende Geigerinnen
mit anrührenden irischen Liedern.


Im St. Stephen's Green Shopping Center überstehen wir ein kurzes
Gewitter und sitzen dann in St. Stephen's Green, einem Park, in der
Sonne. Hier trifft sich Dublin nach Feierabend, die Studenten liegen
auf der Wiese, die Mütter gucken ihren vielen spielenden Kindern
zu, die Trunkenbolde leeren neben uns ihre Schnapsflaschen und lallen
vor sich hin und die jungen Mädchen führen ihre Schuhe aus.
Ein schöner Abschluss für einen Tag in Dublin, der nur noch
vom Preis für ein Pint Guinness im Bahnhofs-Pub der Conolly
Station
übertroffen wird, wo der Wirt 4,90 EUR für ein Glas Stout
haben will.

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