Schon die Zufahrt zum Powerscourt
Estate ist ein
ästhestisches Erlebnis: Unter einer gepflegten Allee entlang,
vorbei an einem Golfplatz zur Rechten, auf einen Parkplatz, der von
blühenden Rosen umgeben ist. Unser Rundgang beginnt am Powerscourt
House. Tragischerweise brannte es 1994 - wenige Wochen nach seiner
Restaurierung - völlig aus.

Von der
Terrasse am Haus haben wir einen weiten Blick über den Park und
hinüber zum Sugar Loaf Mountain, bevor wir ins Tower Valley
hinabsteigen. Dort besteigen wir den Pepperpot, den Turm, der nach dem
Vorbild eines Pfefferstreuers aus dem Speisesaal des Viscounts erbaut
wurde, und von dem wir auf den alten Baumbestand vorwiegend
nordamerikanischer Nadelbäume hinabschauen.

Wenige Schritte
weiter erreichen wir den Japanischen Garten. Wir lassen die lauten
Russen, die sich über Dutzende Meter hinweg schreiend unterhalten
und sich andauernd in den Weg stellen, davonziehen und haben dann die
Muße, uns die kleinen Bachläufe, die Tempel, Bambushaine und
die Grotte aus versteinertem Moos anzusehen.


Unterhalb des Triton Lake schauen
wir hoch zum Powerscourt House und gehen dann weiter zum Pets Cemetery,
dem Tierfriedhof. Waren es in Mount
Usher nur Hunde, so sind hier alle
möglichen Lebewesen begraben, die ihren Herrchen Freude
bereiteten: vom "Long-Haired Dachshund" über Pferde bis hin zu
einer Kuh haben sie hier ihre Ruhe gefunden.

Vorbei am
Delphinteich erreichen wir einen weiteren Höhepunkt - den Walled
Garden. Er ist dreigeteilt: rechts weite Rasenflächen mit einem so
dichten weichen Rasen, dass man ihn einfach selbst mal spüren
muss; an der Mauer herum großartiges Spalierobst mit
verschiedenen Birnen, Äpfeln und Pflaumen. In der Mitte eine
unfassbar üppige Blumenpracht mit Stauden, Lilien, Dahlien,
Gräsern und vielem mehr, an dem wir uns kaum sattsehen
können. Und das linke Drittel ist noch nicht fertig; es harrt noch
der Bestellung und Pflege.



In einem weiteren Teil des Walled
Garden finden wir ein Denkmal für Julia, die "7. Viscountess
Powerscourt" (neben den Köpfen von Michelangelo, Leonardo da
Vinci, Raphael und Benvenuto Cellini), Skulpturen von Läufern auf
den Rasenflächen und - Rosen.


Es ist die
größte Sammlung von Rosen, die wir je gesehen haben, als
Spalier- und Kletterrosen, als Strauchrosen in allen Farben, Formen und
Düften, so weit das Auge reicht. Die Rabatten mit den herrlichen
Dahlien gehen dabei in der Rosenpracht fast unter.



In der Teestube
des Powerscourt House gönnen wir uns die Tagessuppe mit dem besten
Brot, das wir je gegessen haben: ein schweres dunkles Brot, weich,
warm, mit knuspriger Kruste und mit Rosinen, Früchten und
Körnern darin.
Schließlich steigen wir an gelangweilten Putti vorbei hinab
in den Sizilianischen Garten zu den beiden geflügelten Pferden vor
Tritons Teich - dem Schluss unseres Rundgangs.



Nahe
Powerscourt Gardens liegt auch der höchste Wasserfall Irlands;
also machen wir noch einen kurzen Abstecher dorthin. Powerscourt
Waterfall ist erstaunliche 121 Meter hoch, was man im ziemlich
flachen
Irland kaum erwartet. Das Ambiente irritiert uns etwas: Offenbar ist
hier der beliebteste Grillplatz der grünen Insel, um uns herum
qualmen die Barbecues, brutzeln die Steaks und Würste, liegen die
Leute auf ihren Picknickdecken und werden Chips und Cola herumgereicht.
Wir beteiligen uns natürlich nicht an der Entweihung des
ehrwürdigen Ortes, sondern stellen uns der donnernden Gischt.

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