Unmittelbar neben der Gaststätte und Pension
"Am Tanger" befindet sich der Dedelower Flugplatz. Früher wurde er
nur für die Agrarflieger genutzt. Heute ist er ein regulärer
Flugplatz, der nördlichste im Land Brandenburg übrigens. In
den letzten Jahren entstand ein ordentlicher Tower sowie Hangars
für die Flugzeuge. Man kann dort zu Rundflügen starten, aber
auch nach Usedom, Rügen oder anderswo abheben. Außerdem kann
man dort den Pilotenschein erwerben. Seit einiger Zeit treiben dort
auch Leichtflieger ihren Sport.
Vom Flugplatz
aus können Sie, wenn Sie in Richtung Westen schauen, eine Gruppe
von Windrädern am Weinberg sehen (machen Sie sich keine Hoffnung,
dort gibts nicht wirklich Wein). Eine Wanderung dorthin dauert ca. 45
Minuten. Dafür hat man vom Weinberg aus auch eine wunderbare
Aussicht auf einen Umkreis von ca. 20 Kilometern.
Während am
Weinberg
zunächst nur 3 Windräder errichtet wurden, entstand ca. 1
Kilometer weiter ein riesiger Windpark. Einige Dutzend der weißen
Riesen stehen dort. Auf dem (nicht besonders kunstvoll montierten)
selbstgebastelten Panoramafoto sehen sie nur einen kleinen Ausschnitt
davon. Wenn Sie sich mal die volle Packung Windräder antun wollen,
dann schauen Sie sich mal die Seite
mit dem vollen Panorama an. Wo sich
einst eine weite, hügelige Landschaft erstreckte, die einen
ruhigen, friedlichen Anblick bot, rotieren heute unermüdlich und
entnervend die teilweise 35 Meter langen Rotoren. Solche Windräder
erleben zur Zeit einen Boom in der Uckermark. Wenn Sie mal vom Weinberg
aus um sich herum sehen, so werden Sie ca. 80 Windräder allein in
der Gegend um Prenzlau sehen, die teilweise über 100 Meter hoch
sind. Diese Dinger mögen ja einen bescheidenen Beitrag zur
Energieversorgung der Zukunft leisten- aber das Landschaftsbild der
Uckermark, in dem bisher weitläufige Felder und eingebettete Orte
mit dem einzig herausragenden Kirchturm prägend waren, wird
jedenfalls zerstört. Inzwischen formiert sich der Widerstand gegen
diese hochsubventionierten Steuerabschreibungs-Objekte. So versuchen
eine Reihe von Bürgerinititiativen , wenigstens die gröbsten
Auswüchse dieses Irrsinns zu verhindern. Sie kämpfen aber im
wahrsten Sinne des Wortes gegen Windmühlenflügel, da die
Windräder seit einiger Zeit privilegierte Bauten nach dem
Baugesetzbuch sind.
Wenn Sie vom
Flugplatz wieder runter in den Ort gehen, sollten Sie einmal nach links
einen Abstecher zum Stausee machen. Dort wird der Quillow aufgestaut,
bevor er anschließend durch Dedelow fließt. Früher
wurde das Wasser mit einer Pumpstation über ein kilometerlanges
Rohrnetz zur Bewässerung auf die Felder gepumpt; das kann sich
heute allerdings kein Betrieb mehr leisten. Dafür kann man im
Stausee angeln, falls man DAV-Mitglied ist oder eine Angelkarte hat.
Mit etwas Überwindung kann man auch drin baden. Wenn man ein
Stück am See entlanggeht, findet man zahlreiche Wasservögel,
die sich dort im Schilf tummeln. Im Winter ist der Stausee häufig
zugefroren und bildet eine prima Eislauffläche.
Sie haben von
Wandbildern noch nicht genug? Dann gehen Sie mal auf den Hof hinter dem
Landhotel. Dort finden Sie das ehemalige Bildungszentrum für
Rinderwirtschaft, in dem heute ein Weiterbildungsinstitut seinen Sitz
hat. An der Wand ist verewigt worden, wie die moderne Milchproduktion
aussieht: Großsilos, moderne Schaltwarte, Maiskolben, eine
picassoartige Kuh und der stolze Mensch mit einem schrecklichen
Seitenscheitel. Eigentlich sieht es in der Milchviehanlage heute
tatsächlich so aus. Bis auf den Seitenscheitel vielleicht....
Gehen Sie nun wieder ins Ortszentrum. Sie finden das
Ortsbild geprägt von Wohnblöcken, die Ende der 60-er/ Anfang
der 70-er Jahre gebaut wurden, um für die zahlreichen zuziehenden
Bauern, Wissenschaftler, Lehrer und anderen Bürger der
aufstrebenden Gemeinde Wohnungen zu schaffen. Es ist ja inzwischen
modern, den DDR-Geschoßwohnungsbau verächtlich
"Arbeiterschließfächer" oder "die Platte" zu nennen. Damals
war es aber dringend notwendig, angesichts der miserablen
Wohnverhältnisse vieler Menschen möglichst schnell und
kostengünstig viele Wohnungen zu bauen, und wer in eine solche
Wohnung einziehen konnte, war in den meisten Fällen damit sehr
zufrieden. Die einst mit Ofenheizung, Kohle-Badeöfen und
Propanherd ausgestatteten Wohnungen in den Blöcken sind inzwischen
mit Millionenaufwand ausnahmslos saniert- mit Fernheizung,
fließend Warmwasser, wärmeisolierter und attraktiv
gestalteter Fassade und zunehmend auch einem ansprechend gestalteten
Wohnumfeld.
Ein paar
Schritte die Straße in Richtung Prenzlau biegen Sie hinter der
Kaufhalle und der Kneipe "Zur scharfen Kurve" mal links ab und gehen
ein paar Schritte die Straße hoch. Vor dem Bäcker sehen Sie
einen Teil der beim Straßenbau freigelegten Grundmauern des
früheren Schlosses. Selbst alte Dedelower waren etwas
überrascht, daß dort die Grundmauern liegen- man hatte sie
eigentlich an etwas anderer Stelle vermutet. In der Straße hat
man mit rotem Pflaster markiert, wo sich die Fundamente fortsetzten.
Weiter an der Hauptstraße in Richtung Prenzlau
entlang, sehen Sie hinter den links der Straße stehenden
Wohnblöcken einen kleinen Park, in dem das Wasserwerk steht.
Davor finden Sie die sogenannte Heidenkanzel. Woher diese kommt,
erzählt die Sage von den
steinernen Bauern. Die Kanzel ist ja noch
ganz gut zu finden. Wo allerdings die kleinen herumliegenden Steine
geblieben sind- welches die unglücklichen verzauberten
hartherzigen heidnischen Bauern sein sollen- habe ich noch nicht
entdeckt. Der Park, in dem Sie gerade sind, war übrigens mal der
Schloßpark. Er ist etwas zugewachsen und verlottert.
Wenn Sie einige Meter in Richtung Steinfurth gehen,
gelangen Sie an einen Bahnübergang. Kurz davor kommen Sie an den
Neubaublöcken vorbei zum ehemaligen Dedelower Bahnhof. Einst
gabelte sich hier die von Prenzlau kommende Linie der Prenzlauer
Kreisbahn: der eine Schienenstrang ging
nach Fürstenwerder, der
andere nach Strasburg. Die Strecken wurden nach dem 2.Weltkrieg als
Reparationsleistungen teilweise abgebaut und in die Sowjetunion
gebracht, später wieder aufgebaut. Die Fürstenwerderaner
Strecke wurde später erneut abgebaut. Die Strecke von Prenzlau
nach Strasburg war noch bis Anfang der 90-er Jahre in Betrieb und wurde
dreimal täglich in jede Richtung von den sogenannten "Ferkeltaxen"
befahren. Dann wurde sie von der Deutschen Bahn AG endgültig
stillgelegt. Wo früher der Bahnsteig war, tummeln sich heute
Hühner und rotten Komposthaufen vor sich hin. Angesichts dessen
mutet die Warnung der Deutschen Bahn, ihre Bahnanlage nicht zu
betreten, da dort bei Eis und Schnee nicht gestreut wird, geradezu
grotesk an.
Noch ein paar
Schritte weiter kommen Sie an das Ende unseres kurzen Rundganges. Dort
ragen die Silos der "3000-er Milchviehanlage" in die Luft. Daneben
findet man die riesigen Ställe der schwarzbunten Milchkühe.
Üblicherweise kommt man dort nicht hinein. Zum Dedelower
Kuhtreiben, das mehrmals jährlich stattfindet, kann man aber die
Anlage, die Ställe und vor allem das hochmoderne Melkkarussell
besichtigen. Wo 3000 Kühe zusammen stehen, entsteht natürlich
auch jede Menge Gülle. Seit dem Frühjahr 2002 wird sie in
einem gewaltigen Tank gesammelt und aus dem entstehenden Biogas Strom
erzeugt. Übrigens hat diese umweltfreundliche Biogasanlage bei
weitem nicht eine solche Förderung bekommen wie die zahllosen
Windräder ringsumher, obwohl sie einerseits umweltfreundlich Strom
erzeugt und andererseits das Problem des Gestanks der riesigen
Gülle-Mengen entschärft.| < zurück zu Rundgang Teil 1 | Startseite
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Letzte Änderung: 19.3.2006 |
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