Ein Rundgang durch Dedelow (2)

Flugplatz DedelowUnmittelbar neben der Gaststätte und Pension "Am Tanger" befindet sich der Dedelower Flugplatz. Früher wurde er nur für die Agrarflieger genutzt. Heute ist er ein regulärer Flugplatz, der nördlichste im Land Brandenburg übrigens. In den letzten Jahren entstand ein ordentlicher Tower sowie Hangars für die Flugzeuge. Man kann dort zu Rundflügen starten, aber auch nach Usedom, Rügen oder anderswo abheben. Außerdem kann man dort den Pilotenschein erwerben. Seit einiger Zeit treiben dort auch Leichtflieger ihren Sport.

Windräder am WeinbergVom Flugplatz aus können Sie, wenn Sie in Richtung Westen schauen, eine Gruppe von Windrädern am Weinberg sehen (machen Sie sich keine Hoffnung, dort gibts nicht wirklich Wein). Eine Wanderung dorthin dauert ca. 45 Minuten. Dafür hat man vom Weinberg aus auch eine wunderbare Aussicht auf einen Umkreis von ca. 20 Kilometern.


Windpark Basedow/ WilhelmshofWährend am Weinberg  zunächst nur 3 Windräder errichtet wurden, entstand ca. 1 Kilometer weiter ein riesiger Windpark. Einige Dutzend der weißen Riesen stehen dort. Auf dem (nicht besonders kunstvoll montierten) selbstgebastelten Panoramafoto sehen sie nur einen kleinen Ausschnitt davon. Wenn Sie sich mal die volle Packung Windräder antun wollen, dann schauen Sie sich mal die Seite mit dem vollen Panorama an. Wo sich einst eine weite, hügelige Landschaft erstreckte, die einen ruhigen, friedlichen Anblick bot, rotieren heute unermüdlich und entnervend die teilweise 35 Meter langen Rotoren. Solche Windräder erleben zur Zeit einen Boom in der Uckermark. Wenn Sie mal vom Weinberg aus um sich herum sehen, so werden Sie ca. 80 Windräder allein in der Gegend um Prenzlau sehen, die teilweise über 100 Meter hoch sind. Diese Dinger mögen ja einen bescheidenen Beitrag zur Energieversorgung der Zukunft leisten- aber das Landschaftsbild der Uckermark, in dem bisher weitläufige Felder und eingebettete Orte mit dem einzig herausragenden Kirchturm prägend waren, wird jedenfalls zerstört. Inzwischen formiert sich der Widerstand gegen diese hochsubventionierten Steuerabschreibungs-Objekte. So versuchen eine Reihe von Bürgerinititiativen , wenigstens die gröbsten Auswüchse dieses Irrsinns zu verhindern. Sie kämpfen aber im wahrsten Sinne des Wortes gegen Windmühlenflügel, da die Windräder seit einiger Zeit privilegierte Bauten nach dem Baugesetzbuch sind.

StauseeWenn Sie vom Flugplatz wieder runter in den Ort gehen, sollten Sie einmal nach links einen Abstecher zum Stausee machen. Dort wird der Quillow aufgestaut, bevor er anschließend durch Dedelow fließt. Früher wurde das Wasser mit einer Pumpstation über ein kilometerlanges Rohrnetz zur Bewässerung auf die Felder gepumpt; das kann sich heute allerdings kein Betrieb mehr leisten. Dafür kann man im Stausee angeln, falls man DAV-Mitglied ist oder eine Angelkarte hat. Mit etwas Überwindung kann man auch drin baden. Wenn man ein Stück am See entlanggeht, findet man zahlreiche Wasservögel, die sich dort im Schilf tummeln. Im Winter ist der Stausee häufig zugefroren und bildet eine prima Eislauffläche.


Wandbild am BildungszentrumSie haben von Wandbildern noch nicht genug? Dann gehen Sie mal auf den Hof hinter dem Landhotel. Dort finden Sie das ehemalige Bildungszentrum für Rinderwirtschaft, in dem heute ein Weiterbildungsinstitut seinen Sitz hat. An der Wand ist verewigt worden, wie die moderne Milchproduktion aussieht: Großsilos, moderne Schaltwarte, Maiskolben, eine picassoartige Kuh und der stolze Mensch mit einem schrecklichen Seitenscheitel. Eigentlich sieht es in der Milchviehanlage heute tatsächlich so aus. Bis auf den Seitenscheitel vielleicht....
 
Modernisierte WohnblöckeGehen Sie nun wieder ins Ortszentrum. Sie finden das Ortsbild geprägt von Wohnblöcken, die Ende der 60-er/ Anfang der 70-er Jahre gebaut wurden, um für die zahlreichen zuziehenden Bauern, Wissenschaftler, Lehrer und anderen Bürger der aufstrebenden Gemeinde Wohnungen zu schaffen. Es ist ja inzwischen modern, den DDR-Geschoßwohnungsbau verächtlich "Arbeiterschließfächer" oder "die Platte" zu nennen. Damals war es aber dringend notwendig, angesichts der miserablen Wohnverhältnisse vieler Menschen möglichst schnell und kostengünstig viele Wohnungen zu bauen, und wer in eine solche Wohnung einziehen konnte, war in den meisten Fällen damit sehr zufrieden. Die einst mit Ofenheizung, Kohle-Badeöfen und Propanherd ausgestatteten Wohnungen in den Blöcken sind inzwischen mit Millionenaufwand ausnahmslos saniert- mit Fernheizung, fließend Warmwasser, wärmeisolierter und attraktiv gestalteter Fassade und zunehmend auch einem ansprechend gestalteten Wohnumfeld.


Fundamente des Dedelower SchlossesEin paar Schritte die Straße in Richtung Prenzlau biegen Sie hinter der Kaufhalle und der Kneipe "Zur scharfen Kurve" mal links ab und gehen ein paar Schritte die Straße hoch. Vor dem Bäcker sehen Sie einen Teil der beim Straßenbau freigelegten Grundmauern des früheren Schlosses. Selbst alte Dedelower waren etwas überrascht, daß dort die Grundmauern liegen- man hatte sie eigentlich an etwas anderer Stelle vermutet. In der Straße hat man mit rotem Pflaster markiert, wo sich die Fundamente fortsetzten.

HeidenkanzelWeiter an der Hauptstraße in Richtung Prenzlau entlang, sehen Sie hinter den links der Straße stehenden Wohnblöcken  einen kleinen Park, in dem das Wasserwerk steht. Davor finden Sie die sogenannte Heidenkanzel. Woher diese kommt, erzählt die Sage von den steinernen Bauern. Die Kanzel ist ja noch ganz gut zu finden. Wo allerdings die kleinen herumliegenden Steine geblieben sind- welches die unglücklichen verzauberten hartherzigen heidnischen Bauern sein sollen- habe ich noch nicht entdeckt. Der Park, in dem Sie gerade sind, war übrigens mal der Schloßpark. Er ist etwas zugewachsen und verlottert.  


Ehemaliger BahnhofWenn Sie einige Meter in Richtung Steinfurth gehen, gelangen Sie an einen Bahnübergang. Kurz davor kommen Sie an den Neubaublöcken vorbei zum ehemaligen Dedelower Bahnhof. Einst gabelte sich hier die von Prenzlau kommende Linie der Prenzlauer Kreisbahn: der eine Schienenstrang ging nach Fürstenwerder, der andere nach Strasburg. Die Strecken wurden nach dem 2.Weltkrieg als Reparationsleistungen teilweise abgebaut und in die Sowjetunion gebracht, später wieder aufgebaut. Die Fürstenwerderaner Strecke wurde später erneut abgebaut. Die Strecke von Prenzlau nach Strasburg war noch bis Anfang der 90-er Jahre in Betrieb und wurde dreimal täglich in jede Richtung von den sogenannten "Ferkeltaxen" befahren. Dann wurde sie von der Deutschen Bahn AG endgültig stillgelegt. Wo früher der Bahnsteig war, tummeln sich heute Hühner und rotten Komposthaufen vor sich hin. Angesichts dessen mutet die Warnung der Deutschen Bahn, ihre Bahnanlage nicht zu betreten, da dort bei Eis und Schnee nicht gestreut wird, geradezu grotesk an.

Milchviehanlage mit BiogasanlageNoch ein paar Schritte weiter kommen Sie an das Ende unseres kurzen Rundganges. Dort ragen die Silos der "3000-er Milchviehanlage" in die Luft. Daneben findet man die riesigen Ställe der schwarzbunten Milchkühe. Üblicherweise kommt man dort nicht hinein. Zum Dedelower Kuhtreiben, das mehrmals jährlich stattfindet, kann man aber die Anlage, die Ställe und vor allem das hochmoderne Melkkarussell besichtigen. Wo 3000 Kühe zusammen stehen, entsteht natürlich auch jede Menge Gülle. Seit dem Frühjahr 2002 wird sie in einem gewaltigen Tank gesammelt und aus dem entstehenden Biogas Strom erzeugt. Übrigens hat diese umweltfreundliche Biogasanlage bei weitem nicht eine solche Förderung bekommen wie die zahllosen Windräder ringsumher, obwohl sie einerseits umweltfreundlich Strom erzeugt und andererseits das Problem des Gestanks der riesigen Gülle-Mengen entschärft.

So, das war´s. Ich hoffe, Sie sind nicht allzu sehr erschöpft vom Gehen bzw. vom Warten auf das Laden der Bilder. Vielleicht kommen Sie selbst mal her. In der Natur sieht es natürlich alles realer aus als auf ein paar pixeligen Bildchen auf dem Bildschirm.


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Letzte Änderung: 19.3.2006
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