Fisch

Der Hering- einst der Arme-Leute-Fisch- kommt in der uckermärkischen Küche zu vielerlei Ehren. Und zu Silvester muß es ein Karpfen sein.

Brathering mit Kartoffeln und Schusterstipp

"Der Hering ist ein ausgezeichneter Fisch, von dem man viel hermachen würde, wenn er teuer und selten wäre" sagte einmal Alexandre Dumas. Der Uckermärker macht aus dem Hering unter anderem das folgende Gericht: Die Heringe werden gesäubert, eventuell gesäuert und gesalzen. Dann werden die Heringe in Mehl gewälzt und in einer Pfanne mit heißem Fett von beiden Seiten knusprig gebraten. Inzwischen wird in einer Pfanne gewürfelter Speck ausgelassen. Dazu brauchen Sie noch richtigen, geräucherten festen Speck, der auch wirklich Fett ausbrät, und nicht das schlaffe, lediglich mit Raucharoma geimpfte eingeschweißte Zeug aus dem Supermarktregal. In dem Speckfett werden Zwiebelwürfel angebraten. Wenn sie goldbraun sind, wird in das Fett Mehl eingerührt und eine Mehlschwitze bereitet, die relativ dunkel werden muß. Dann wird unter ständigem Rühren vorsichtig Wasser zugegeben und das Ganze zu einer dicken Soße aufgekocht. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die inzwischen weichgekochten Kartoffeln auf den Teller geben, die Soße (das ist der "Schusterstipp") darübergeben und je Person 2-3 Bratheringe auf den Teller legen. Man ißt dazu Bohnensalat und trinkt ein Bierchen (keinen Weißwein, wie die Gourmets).

Eingelegter Brathering

Wenn man nicht alle Bratheringe geschafft hat und sie die Katze verschmäht (weil sie gerade vorher ihre Lachshäppchen in feinem Gelee verzehrt hat), kann man auch prima eingelegte Heringe daraus machen. Man bereitet dazu einen Sud aus Wasser, Essig, Zwiebel, Gewürzkörnern und Lorbeerblatt, kocht diesen auf und füllt ihn (erkaltet) über die Bratheringe. Nach 2-3 Tagen kann man diese dann mit Bratkartoffeln aufessen und ein Bier dazu genießen.

Heringshäckerle

Häckerle klingt zwar schwäbisch, wird aber in der Uckermark sehr gern gegessen. Dazu braucht man einige Salzheringe, die gewässert und ausgenommen werden. Dann werden sie in ganz kleine Stückchen zerschnitten. Inzwischen kocht man einige Eier hart und läßt sie abkühlen. Die ebenfalls ganz kleingewürfelten Eier werden mit den Heringsstückchen vermischt, etwas Öl dazugegeben, evtl. etwas kleingewürfelter Apfel untergemischt - fertig. Man ißt das Häckerle auf Weiß- oder kräftigerem Schwarzbrot. Danach sollte man wegen des unfrischen Atems aber ein paar Stunden jegliche menschliche Kontakte meiden, oder aber man trinkt einen kräftigen Kräuterschnaps hinterher.

Karpfen in Biersoße

Fragt man einen echten Uckermärker (ich bin nur ein Zugereister), was es bei ihm zu Silvester zu essen gibt, erntet man meist nur ein verständnisloses Kopfschütteln und die Antwort: "Na, Karpfen in Biersoße!" Da sich bei mir schon beim Gedanken an gekochten Fisch die Peristaltik verkrampft, kann ich nur sehr distanziert über dieses Gericht schreiben: Für Karpfen in Biersoße braucht man einen großen bis mittelgroßen Karpfen. Dieser wird gesäubert, mit Zitronensaft gesäuert und gesalzen. Dann wird er am besten schon vor der Zubereitung in Portionsstücke zerteilt. Die Karpfenstücke gibt man in einen großen, flachen Topf. Dann wird mit Bier aufgefüllt, bis der Fisch damit bedeckt ist. Am besten eignet sich dunkles Bier oder Malzbier. Dazu gibt man Zwiebel, Lorbeerblatt, Pfefferkuchengewürz (oder Nelken) und Gewürzkörner. Dann wird der Fisch leise köchelnd gegart, bis sich das Fleisch beginnt, von den Gräten zu lösen. Um die Soße anzudicken, nimmt man entweder Soßenkuchen oder geriebenen Lebkuchen (natürlich ohne Schoko- Glasur und Füllung). Jeder bekommt ein Portionsstück Karpfen auf den Teller, dazu Salzkartoffeln und vor allem das wichtigste- die Soße. Naja- wem sowas schmeckt...


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Letzte Änderung: 10.2.2005
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